Ein Weg der Selbstentfaltung: Werde, was du bist!

Selbstentdeckung ist der Beginn der Selbstentfaltung. Vergleichbar dem ersten Blick in den Spiegel, entdecken wir uns selbst und entwickeln ein Bewusstsein für uns selbst: unsere Gefühle, unsere Bedürfnisse, unsere Lebensskripts, unsere Denkkonzepte und unseren Körper.

Verdrängte und vergessene Erlebnisse mit ihren Gefühlskomponenten erleben wir bewusst wieder, um sie in zu integrieren. Die Identifizierung mit allen Aspekten unseres persönlichen Daseins ist unumgänglich. Wir werden zu der Person, die wir in Wahrheit schon sind. Wir lernen uns bewusst zu erfahren und in unserem Leben bewusst zu handeln.

Ich bin mein Körper:

Den Körper bewusst wahrzunehmen heisst auch, seine Sprache und seine Botschaften zu verstehen. Unsere Seele und unsere Emotionen drücken sich mittels unserem Körper aus. Gefühlsblockaden oder verdrängte Emotionen können sich in Körperspannungen und -Verspannungen manifestieren und sehr schmerzvoll sein. Spirituelle Arbeit ist auch Arbeit am und mit dem Körper.

Ich bin meine Gefühle:

Gefühle werden durch den Körper spürbar. Jedes Empfinden, jede Emotion verändert den Atem und unser körperliches Befinden. Primäre Gefühle sind ein direkter Ausdruck unseres Lebens. Sekundäre Gefühle werden ausgelöst durch unsere Gedanken, unsere Vorstellungen und unsere Bilder. Lebendigkeit wird erlebt, wenn wir im freien Fluss unsere Gefühle bewusst und achtsam leben.

Ich bin meine Gedanken:

Gedanken sind neben Gefühlen und Körperlichkeit ein gleichwertiger Aspekt des Lebens. Im erwachenden Zustand werden uns die Wirkungen unserer Gedanken bewusst und wir lernen unseren Gedankenstrom zu führen und zu lenken. Durch bewusstes Entscheiden und ausgewähltes Fokusieren steuern wir uns bestimmt durch den Fluss des Gedankenstroms. Durch das Bewusstwerden unserer Wahrnehmungsfilter und unserer Interpretationsmuster öffnen wir unsere Sichtweisen und unsere Verblendungen nehmen ab. Wir verstehen sowohl uns als auch unsere Mitmenschen besser.

Ich bin Geist:

Dem geistig-seelische Aspekt können wir bewusstseinsmässig betreten, indem wir unsere bisherigen Gedanken, Gefühle und Körperlichkeiten transformieren. Durch den Prozess der De-Identifizierung gelangen wir von dem bisherigen Verständnis, was ich bisher meinte zu sein, zur tieferen Seinsdimension, der Wesensebene. Die Erlebensmöglichkeiten dieses Bereiches sind mannigfaltig. Vom Erleben des Einsseins mit der Schöpfung bis zur Erfahrung der Dualität von Yin und Yang, führen alle diese zutiefst erfahrenen Erlebnisse und Visionen zu nachhaltigen Veränderungen unseres Begreifens von uns und dem Leben an sich. Vielfach werden Menschen auf diesem "Weg nach Innen" als Suchende bezeichnet.

Der wahre Suchende ist der, der auf der Suche nach sich selbst ist.
Gib alle Fragen auf ausser der einen: "WER BIN ICH"
Schliesslich bist du dir nur einer Tatsache gewiss: DU BIST!
Das "ICH BIN" ist sicher,
das "Ich bin dies" ist es nicht.
Bemühe hersauszufinden, was du in Wirklichkeit bist.
Um zu wissen, was du bist, musst du zunächst das untersuchen
und kennen, was du nicht bist.
Entdecke alles, was du nicht bist: Körper, Gefühle, Gedanken, Zeit, Raum, dies und das.
Nichts, was du konkret oder abstrakt wahrnimmst, kannst du sein.
Gerade der Vorgang der Wahrnehmung zeigt, dass du nicht das bist, was du wahrnimmst.
Je genauer du verstehst, dass du auf der Ebene des Verstandes
nur in negativen Begriffen beschrieben werden kannst,
um so schneller wirst du zum Ende deiner Suche kommen
und realisieren, dass du das unbegrenzte Sein bist.

Sri Nisargadatta Maharaj

Ich bin ich und Du bist Du

Ich und Du heisst auch du bist Du, da ich Ich bin. Wenn ich Ich bin und gut für mich sorgen kann, kann ich mit Mitgefühl für Dich da sein um Dich zu begleiten; gehen musst du selber! Dies drückt sich in unten aufgeführten Texten (als PDF-File) wunderschön aus:

Ich bin ich und du bist Du
Ich bin nicht dazu da um deine Erwartungen zu erfüllen,
und du bist nicht dazu da um meine Erwartungen zu erfüllen
Wenn wir uns finden ist es wunderschön,
wenn nicht, kann man nichts machen.

Fritz Perls

Ich bin nicht dazu da um durch dich zu leben, sondern mit dir.
Du bist nicht dazu da um durch mich zu leben, sondern mit mir.
Begegnen wir uns so, so sind wir mit uns und der Welt im reinen, klaren und aufrichtigen Kontakt.
Begegnen wir uns so nicht, so versündigen wir uns.

Manfred Riedle, November 1991

Unsere Lebensgefährtin ist eine Blume.
Wenn wir uns gut um sie kümmern, wird sie wunderschön wachsen.
Wenn wir uns schlecht um sie kümmern, wird sie verwelken.
Um einer Blume zu gutem Gedeihen zu verhelfen, müssen wir ihre Natur verstehen.
Wieviel Wasser benötigt sie? Wieviel Sonne?
Wir schauen tief in uns selbst hinein, um unsere wahre Natur zu erblicken, und wir schauen tief in den anderen, um seine Natur zu erblicken.

Thich Nhat Hanh

Die Paare "Anima & Animus" und "Yin & Yang"

Bewusste Selbstverwirklichung benötigt vertiefte Selbsterkenntnis, die durch intensive, gut begleitete Selbsterfahrung eintritt. Hierzu gehören ebenfalls die Erfahrungen sowohl von gleichgeschlechtlichen, als auch von gegengeschlechtlichen Seelen-Prinzipien, die nach C. G. Jung als Anima und Animus und nach östlichen Traditionen als Yin und Yang bezeichnet werden.
Jede Person trägt in sich die Eigenschaften dieser Prinzipien als Ressourcen in sich. Noch unbewusste Aspekte werden uns oft im Gegenüber, in das wir uns unter anderem auch deswegen verlieben können, gespiegelt. Entdecken wir diese Aspekte in uns selbst, können wir die Projektionen zurücknehmen und deren Inhalte in uns bewusst integrieren.
Je nach sozial systemischen Milieu und biografischen Prägungen, entwickeln wir einzelne Prinzipien, während andere noch in uns schlummern.

Yin bezeichnet das energetisch weibliche Prinzip. Yin tendiert zur Konsolidierung der Gegenwart und bremst die Vorwärtsbewegung des Yang. Es werden dem Yin-Prinzip folgende Elemente und Attribute zugeordnet: Wasser, dunkel, introvertiert, zusammenziehend, aufnehmend.

Yang bezeichnet das energetisch männliche Prinzip. Yang-Aktionen gestalten die Zukunft und zerstören die bewahrenden Yin-Produkte. Es werden dem Yang-Prinzip folgende Elemente und Attribute zugeordnet: Feuer, hell, extrovertiert, ausdehnend, initiativ.

Wasser ist fähig Feuer zu löschen, während Feuer wiederum Wasser verdampfen kann. So bedingen sich Yin und Yang und kontrollieren sich ebenso. Auch die Anima benötigt den Animus und umgekehrt. Sie bedingen sich gegenseitig und kontrollieren die Extreme zu Gunsten der Ausgewogenheit dieser natürlichen Seelenprinzipien. Mitfühlendes und liebevolles Empfinden erhält durch klares entschlossenes Handeln die erfüllende Ergänzung, während umgekehrt die Offenheit für Liebe jegliches Handeln empfindsam macht.

Die Einheit von Körper, Geist, Seele manifestiert sich insbesondere durch das gegenseitige Durchdrungensein dieser Prinzipien und deren Wechselwirkung.

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