Sexualität und Erotik

Auch wenn Sexualität heute weit weniger ein Tabu ist als früher, bleibt sie ein Mysterium. Die Werbung benutzt erotische Elemente um ihre Produkte anzupreisen. Menschen gestalten ihr Äusseres erotischer, wenn sie ein sexuelles Bedürfnis haben. Ohne Sexualität gäbe es keine Fortpflanzung und keine Evolution.

Sexualität kann sich sowohl als eine rein körperliche Triebbefriedigung zeigen, als auch ein sich in Nähe und Offenheit gegenseitiges Berühren und Bewegen lassen. Um in liebevoller Zweisamkeit etwas von einem Einssein zu erfahren — mit oder ohne orgastischem Abschluss. Männliche und weibliche Sexualität sind die unterschiedlichen, geschlechtsspezifischen Erfahrungs- und Bedürfnisaspekte.

Wie Sport kann auch die sexuelle Triebbefriedigung als Spannungsabbau gesucht und benutzt werden. Durch mentale Vorstellungen (sexuelle Phantasien von Frauen und Männern sammelte Nancy Friday), erotische Bilder oder Liebesgeschichten kann dies bewusst verstärkt werden. Die Sehnsucht darin kann sich zu einer Sucht steigern, die uns Menschen als Opfer der Begierde darstellt. Vielleicht ist der Mensch willensschwach, bleibt aber grundsätzlich entscheidungsfähig. Ein gesunder, ausgeglichener und verantwortungsbewusster Umgang mit Lust und Begierde ist ein Ausdruck von Lebendigsein.

Die körperliche Vereinigung kann ein Symbol für einen inneren Prozess sein. Die Sehnsucht in der Innenwelt zu einer mystischen Vereinigung und zur "Vollkommenheit" kann die sexuelle Dynamik antreiben. Im Tantra wird dies durch die rituelle Darstellung der Vereinigung von Shiva und Shakti beispielhaft dargestellt. Ebenso in dem Liebesgedicht von Shiva an Shakti. Es ist die "heilige Hochzeit", die Vereinigung der Dualität von Yin und Yang — weiblichen und männlichen Prinzipien. Es ist die gleichzeitige Einheit und Gegensätzlichkeit des Absoluten, dargestellt in der mystisch-sexuellen Vereinigung von "Samantabhadra" und seiner Dikini "Samantabhadri".

Andererseits kann auch der psychische Prozess des Regredierens sexuelle Aspekte haben, wenn er die Dimension der symbiotischen Verschmelzung beinhaltet. Dort wird im Regredierenden Schutz im 'Schoss der Mutter' gesucht, der im Allgemeinen für jeden von uns eine absolute Geborgenheit darstellt.

Zwischenmenschliche Liebe, die sich in Zuneigung und Zärtlichkeit zwischen zwei Menschen zeigt, kann sich durch tiefe gegenseitige Vertrautheit zu einer intimen Begegnung und Nähe entwickeln, die sich in der sexuellen Vereinigung ekstatisch feiert. In diesem Liebesakt kann eine neue Körperlichkeit erschaffen werden um einer Seele die Inkarnation zu ermöglichen: die Zeugung eines Menschen aus Liebe.

Sexualität als wahre Liebe zeigt sich auch in dem sich dem Partner hingebenden Prozess des echten bedingungslosen Vertrauens. Berühren und sich berühren lassen, in intimster Nähe sich körperlich, seelisch und geistig zu begegnen, sich auszutauschen und sich den Empfindungen und Gefühlen hinzugeben kann für einen Moment als ein Zustand höchster Erfüllung und Beglückung erfahrbar werden. Diese erotische Sinnlichkeit kann man nicht willentlich herbeiführen, sondern nur geschehen lassen. Liebe zu empfangen und Liebe zu geben ist ein Produkt von Demut, Hingabe und Urvertrauen. Dies kann in der erotischen Zweisamkeit und in der Sexualität empfunden werden.

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